Vollautomatisch zum Verbrecher werden

Man stelle sich vor: die Polizei steht plötzlich vor der Tür und nimmt sämtliche Rechentechnik mit – und das obwohl man sich keiner Schuld bewust ist. Dann wird noch etwas von „Abruf kinderpornographischer Inhalte“ gefaselt – und das ohne, das man jemals welchem angesichtig geworden ist. Wie das gehen kann, das hat die fragwürdige „Operation Himmel“ gezeigt. Rund 12.000 Bürger sind in das Visier der Ermittler geraten, weil deren IP-Adresse auf einer überwachten Internetseite mit vermeintlich kinderpornographischen Inhalt geloggt wurde.

Besonders dubios erscheinen die Ermittlungsmethoden vor dem Hintergrund, dass zum Beispiel der Browser Firefox eine automatisch aktivierte Funktion besitzt, die verlinkte Seiten schon einmal im Hintergrund lädt (Prefetching). Firefox surft also Seiten an, die der Benutzer möglicher Weise niemals zu Gesicht bekommen hat. Dieses Verhalten ist nicht nur ein Ärgerniss für jeden Webmaster, dessen Webstatistiken zunehmend an Aussagekraft verlieren, sondern eben auch ausreichender Verdachtsmoment für die Staatsanwaltschaft.

Um die Prefetching-Funktion des Firefox zu deaktivieren, gibt man “about:config” in die Adresszeile ein, sucht nach dem Schlüssel “network.prefetch-next” und setzt diesen auf “false”.

Im übrigen gibt es inzwischen auch ein Gerichtsurteil, wonach die Wohnungsdurchsuchung eines betroffenen für rechtswiedrig befunden wurde, da die Beweislage nicht einmal für einen Anfangsverdacht ausgereicht hätte.

via lawblog, heise, Datenschutz-Blog

[anfy]

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