Normale, digitale Fahnung

Wie der Spiegel über den Holzklotz-Anschlag in Oldenburg berichtet, wurde kein Aufwand gescheut den Täter zu finden. So geriet zunächst jeder in Verdacht, der am 23 März, zwischen 17 und 22 Uhr im rund zwei Quadratkilometer großen Areal, um den Tatort herum telefoniert hat. Zuletzt zog man es jedoch vor, mehrere Jugendliche und dessen Eltern zu Überwachen, weil diese, also die Jugendlichen, zur falschen Zeit am falschen Ort – sprich im zwei Kilometerumkreis – gewesen sind. Von Telefon und Internet Abhören ist die Rede und selbst vor dem Ingenieurbüros des Vaters eines Verdächtigen wird nicht gestoppt.

Gerät die Ermittlungsmaschinerie erst in Gang, ist kein halten mehr vor der Zerstörung bürgerlicher Privatsphäre. Es wurde nämlich nicht zunächst die sichergestellten Beweise geprüft und bewertet, sondern gleich eine Rasterfahndung eingeleitet – ist es doch viel bequemer zunächst rund 10.000 Leute zu verdächtigen und ihre Telefongewohnheiten an diesem Abend abzufragen und auch die Überwachung unschuldiger scheint unserer Exekutiven wenig schlechtes Gewissen zu vermitteln. Bedenklich, wie schnell man unschuldig – also ohne irgendetwas ungesetzliches getan zu haben – in die Situation geraten kann überwacht zu werden.

Ich bin froh an diesem Abend nicht in der Nähe telefoniert zu haben. Ich schätze es nämlich sehr nicht beobachtet zu werden, wenn ich meine Wohnungstür hinter mir geschlossen habe.

[anfy]

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