Arbeitslosigkeit und Lohndumping

Arbeitslos werden ist heute wie früher ein tiefer Eingriff in das Leben der Betroffenen. Trotz sinkendem Realeinkommen ist es bereits seit geraumer Zeit immer schwieriger einen Job zu finden, von dem sich auch leben lässt. Mit der Einführung von Hartz-IV unter dem Motto „Fordern und Fördern“ werden arbeitswillige Menschen ins Abseits gedrängt. Nicht nur der geringe Betrag, von dem sich gerade so leben lässt, führt zur gesellschaftlichen Ausgrenzung, auch der Umgang mit den Arbeitslosen wird seither immer ruppiger. Vom „Fordern und Fördern“, wie es von unserem ehemalig amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schröder gepredigt wurde, bleibt nur noch das „Fordern“ übrig. Förderungen in Form von Weiterbildungen finden seit der Einführung des Bildungsgutscheins und dem Zusammenstreichen der Fördermittel immer weniger statt. Anstelle dessen etabliert sich ein enormes Engagement bei der Einsparung der für die Hartz-IV Empfänger lebensnotwenigen Gelder. Teils aus unwissenheit begangene Formfehler werden nicht selten mit mehrmonatigen Sperrfristen belegt. Der Entzug der zugesicherten Lebensgrundlage ist Menschenunwürdig, steht der Betroffene doch in einem Abhängigkeitsverhältnis. Einen Job abzulehnen, weil dieser aus gewissens- oder finanziellen Gründen nicht akzeptabel ist kann sich da niemand mehr leisten, ganz gleich wie arbeitswillig jemand eigentlich ist.

Besonders hart trifft es diejenigen, die einen Wohnraum unterhalten, der der Arbeitsagentur zu teuer ist – also über einen Betrag von 360 Euro (brutto warm) hinausgeht. Ein halbes Jahr hat der Hartz-IV Empfänger Zeit sich seiner Wurzeln zu entledigen und eine billigere Wohnung zu suchen. Die Berliner Arbeitsagentur handhabte dies nach dem Motto „Die Betroffenen sollen Arbeit und nicht eine neue Wohnung suchen“ etwas lockerer, womit es wohl aber ebenfalls bald vorbei sein wird.

Die Notlage wird dafür von der Wirtschaft leidlich ausgenutzt. Bestes Beispiel ist die Pin AG, die ihr gesamtes geschäftskonzept darauf aufbaut, das sie ihren Mitarbeiter so wenig bezahlt, dass der Staat das Einkommen aufstocken muss. Lohndumping ist heute normalität geworden. Von Menschwürde kann eigentlich nicht mehr die Rede sein, wenn jemand gezwungen wird, einen Job anzunehmen und trotzdem weiter von staatlichen Almosen abhängig ist. Einziger Gewinner ist die Wirtschaft, die zunehmend assozialer wird, weil diese vom Staat auch noch belohnt wird.

Leider ist das Verhältnis zwischen Arbeitsagentur und Arbeitssuchenden inzwischen völlig ruiniert. Am besten man hat mit denen von der Behörde so wenig wie möglich zu tun. Hilfe ist von dort ohnehin nicht zu erwarten. Kein Wunder, kümmert sich auch ein Arbeitsberater in Berlin im Durchschnitt um knapp 1000 Arbeitslose (2004 Arbeitsamt Berlin Mitte). Die Jobcenter sollten das richten, jedoch wird lieber im großen Stil mit 1-Euro-Jobs gearbeitet. Der Umgang mit den eigentlich noch neuen Instrumenten zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit wird eigentlich nur zum Nachteil der Betroffenen eingesetzt und beschleunigt die wachsende Arbeitslosigkeit. Warum noch jemanden für richtiges Geld beschäftigen, wenn man auch wenig bezahlen kann um so die Gewinne zu maximieren – natürlich zu Lasten der Steuerzahler.

Ein Mindestlohn für ALLE Berufsgruppen scheint dringender den je. Die Pin AG wird ihren Zustellern über kurz oder lang ordentliches Geld zahlen müssen, fallen die doch in den gewerkschaftlich organisierten Bereich und können sich einen an den Tarifvertrag angelehnten Lohn erkämpfen. Eine Lösung für alles ist der Mindestlohn sicher nicht, aber er würde die Misstände zunächst sicher schon einmal bessern. Das Fördern von Lohndumping, wie es bisher geschicht ist eine Abwärtsspirale, die langfristig nicht funktionieren kann.

[anfy]

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Eine Antwort zu “Arbeitslosigkeit und Lohndumping

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